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Der Selbstwert und das Selbstwertgefühl, Selbstverantwortung
Eine Wertung beinhaltet eine Gewichtung: Dinge sind mir mehr oder weniger wichtig, sind gut, schlecht, lieb, böse, erfolgversprechend oder erfolglos. Der Selbstwert, also eine Bewertung der eigenen Person, wird sich ebenfalls durch die Nutzung solcher Wertungskriterien ausdrücken. Dies ist mit dem Aufbau starker Gefühle einhergehend, die unterschwellig wirken und daher das Verhalten immens beeinträchtigen. Personen mit einem schlechten Selbstwertgefühl trauen sich nichts zu, erwarten Misserfolg durch ihr eigenes Verhalten, handeln dann auch entsprechend und sind demgemäß auch nicht überrascht, dass der Misserfolg real eintritt. Sie können zu misserfolgsorientierten Menschen werden, die auch Erfolge nicht als solche eigenen diagnostizieren, sondern diese dem Zufall, den positiven Umständen oder dem Mitwirken anderer Menschen zuschreiben. Ein Realist kann kein durchweg schlechtes Selbstwertgefühl produzieren, aber auch kein über den Wolken schwebendes Gutes. Der Realist weiß, was er kann, und handelt danach. Er weiß auch, was er nicht kann, und versucht sein Verhalten dort zu optimieren, letztlich seinen Selbstwert zu steigern. Da er dies tut, hat er wieder ein gutes Gefühl, weil er versucht, besser zu werden und sich zu fördern. Mehr kann er nicht tun.

Eine Selbstwertsteigerung kann über den individuellen kontinuierlichen Entwicklungsprozess1 erfolgen und ist zugleich die Voraussetzung dafür, in diesen einzutreten. In diesen tritt jede(r) ein, der/die an sich nicht nur zufällig arbeitet. Die Grundvoraussetzung ist, dass dies aus Überzeugung geschieht; der Überzeugung, es nicht (allein) aus äußerlichen Motivationsanreizen heraus zu tun, sondern weil man selbst es für richtig hält, sich zu verbessern. Dazu ist eine gehörige Portion Selbstkontrolle und -kritik notwendig, und zwar in der konstruktiven Variante "Was war heute gut, was war verbesserungsfähig?" und nicht in der belastenden Variante "Was habe ich heute wieder falsch gemacht?" oder "Ich kann es ja doch nicht!". Was die grundsätzlichen Gedanken zu sich selbst angeht, geht nichts über die Annahme der eigenen Person. Selbstachtung und liebevoller Umgang mit sich selbst sind - trotz oder gerade wegen aller erkannten eigenen Mängel, die es anzugehen geht - notwendig! Defizite der eigenen Person verändern kann nur derjenige, der diese selbst erkannt hat, sie anerkennt als Teil der eigenen Person, sich selbst trotz dieser annimmt und dann bewusst in einen Veränderungsprozess einschreitet.

Die Selbstverantwortung - als Verantwortung für das Selbst, für sich selbst - bezieht sich auf das Denken und Handeln der eigenen Person. "Selbständigkeit" und "Selbstverantwortlichkeit" sind Werte (s.u.) und beispielsweise auch überdauernde Bestandteile beruflicher Anforderungsprofile. Personen mit ausgeprägtem Selbstwertgefühl sind selbstbestimmt, haben Selbstvertrauen und zeigen Selbstverantwortung. Dies nicht nur gegenüber der eigenen Person, sondern auch in der Öffentlichkeit. Das Auftreten (siehe auch unten) ist wesentlich von einem guten Selbstwertgefühl und der bewussten Übernahme der Selbstverantwortung abhängig.

Die Selbstbestimmung ist ein wesentlicher Aspekt für selbstverantwortliches Handeln. In der heutigen Welt gibt es intensive Ansätze der Fremdbestimmung: andere sagen, was man tun oder lassen soll, sind für die Motivierung zuständig und beurteilen letztlich, ob eine Handlung gut oder schlecht war, und ob sich der Handelnde daraufhin gut oder schlecht fühlt, fühlen darf. Und es gibt Menschen, die sich nur zu gern dieser Fremdbestimmung unterwerfen, weil es auch ein Stück Unverantwortlichkeit sich selbst und anderen gegenüber darstellt: "Ich bin dafür nicht verantwortlich!". Wer selbstbestimmt ist, weiß, was er kann und was nicht, und versucht sich dort zu verbessern. Er hat Selbstvertrauen und ist auch in der Lage, eine Selbst-Verpflichtung einzugehen. Er benötigt keine Fremd-Verpflichtung, weil er - egoistisch, wie er sein darf, da er weiß, was er kann - sich freiwillig für die Abgabe einer Leistung oder ein positives Verhalten entscheidet. Für aktive Mitarbeit2!

Die Selbstverantwortlichkeit des Tuns bekommt in der heutigen Zeit vor dem Hintergrund des wiederkehrenden Versuchs von Menschen, sich auch öffentlich für nicht verantwortlich zu erklären - oder erklären zu lassen - besonderes Gewicht. Es ist wesentlich, die Verantwortlichkeit für sein Tun bewusst selbst zu übernehmen. Ich darf Ihnen einige Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit nennen, die bezeichnend sind für die Zeit, in der wir leben, und für den Versuch, immer wieder andere für verantwortlich erklären zu wollen:
  • Da gibt es in den USA immer wieder den Versuch von Menschen, gegen Fastfood-Ketten zu klagen, weil diese Menschen dick sind und die Fastfood-Anbieter angeblich daran Schuld haben.
  • Im Jahr 2003 wurde ein privatrechtlicher Prozess in Deutschland gegen einen Zigaretten-Hersteller angestrengt, in dem dieser von einer Person für die eigene Erkrankung, deren Ursache das Rauchen war, verantwortlich gemacht werden sollte.
  • Wie viele Jugendliche machen täglich die Eltern und die Lehrer dafür verantwortlich, wie es ihnen geht; wie viele Erwachsene die Vorgesetzten oder die Firmenchefs?
Jeder Mensch, der geistig gesund ist, ist für sein Handeln und Auftreten selbst verantwortlich! Natürlich gibt es Rahmenbedingungen, die dies behindern können; denken wir doch nur an schlecht ausgesuchtes Equipment anlässlich eines Vortrages oder daran, dass eine Chefin eine Mitarbeiterin mit einer Frage, die diese auf "dem linken Fuß erwischt", schlecht aussehen lässt. Alles möglich
Und trotzdem bleibt die Selbstverantwortlichkeit des Tuns als Grundsatz bestehen. In der jüngeren Vergangenheit wurde zu häufig die Verantwortlichkeit der Umwelt für das Tun einer Person hervorgehoben. Lassen Sie uns dies zurückführen auf seinen realen Stellenwert.

An dieser Stelle muss der Begriff der Selbstdisziplin angesprochen werden. Sich selbst zu disziplinieren, heißt, sich selbst im Griff zu haben. Glücklich die, die dies können! Selbstdisziplin macht unabhängig. Man braucht niemanden, der einem vorsagt, was man zu tun und zu lassen hat. Und sie bildet eine natürliche Grenze der Freiheit, ist zugleich Inbegriff dieser. Wer kann selbständiger sein als derjenige, der sich selbst im Griff hat, weiß, was für ihn - auch vor dem Hintergrund seiner Einbindung in gesellschaftliche Gruppen, also der Sozialität - wichtig und unwichtig, richtig und falsch ist? Freiheiten zu haben heißt gerade auch, sich selbst Grenzen zu setzen. Grenzen, die sich aus der eigenen Person ergeben, und solche, die sich aus der Sozialität ergeben. Diese zu erkennen, heißt zu wissen, denken zu können und das Handeln an den Freiheiten und Grenzen zu orientieren. So wird die Selbstdisziplin zu einem hohen Gut und zum Dreh- und Angelpunkt des persönlichen Erfolgs.

Ein weiterer Aspekt der Selbstverantwortung ist die Entscheidung. Wir alle müssen uns täglich und immer wieder neu entscheiden. Es gibt so viele kleine Entscheidungen, die wir schon nicht mehr als solche wahrnehmen: die Gestaltung des Tagesablaufs, wann was zu essen und zu trinken, mit welchen anderen Personen in welcher Art um zu gehen, sich selbst in einer bestimmten Art zu behandeln, und und und Und es gibt Entscheidungen, die wesentlich sind für unsere Zukunft: die Schulwahl, die Berufswahl, die Entscheidung für oder gegen eine Partnerschaft mit einer bestimmten Person oder in einer Personengruppe, die Wahl des Wohnortes, die Wahl der Lebensprioritäten (Was ist wichtig für mich?), die so viel mit den eigenen Bedürfnissen zu tun hat.
Und wie häufig tun wir uns schwer mit diesen Entscheidungen oder machen uns auch dabei abhängig von anderen Personen oder von Umständen, von angeblichen unausweichlichen Vorgaben (Ich konnte ja nicht anders )?
Hier ist wichtig, sich selbstbestimmt zu verhalten! Es sind Ihre Entscheidungen, geben Sie sie nicht ab! Es ist Ihre Zukunft, legen Sie sie nicht in fremde Hände! Sollte Ihre Entscheidungsfähigkeit eher schwach ausgeprägt sein, was ja auch an Erziehungsdefiziten des Elternhauses, der diese ersetzenden bzw. ergänzenden Gruppen, wie Jugendcliquen oder Vereinen, und der Schulen sowie der weiteren Ausbildung liegen kann, sollten Sie sich einem Entscheidungstraining unterziehen. Beginnen Sie mit den kleinsten eigenen Entscheidungen: essen und trinken Sie bewusst, gestalten Sie bewusst die frei planbaren Anteile des Tages - wobei leider zu häufig die Stunden, die man im Beruf verbringt, als fremdbestimmt angesehen werden; haben Sie etwa einen Beruf, in dem Sie sich nicht wohl fühlen, und warum bleiben Sie dann dort?3 -, wozu übrigens auch die Entscheidung gehört, wie lange man schläft oder wie viel Zeit man mit welchen Personen verbringt. Und wenn sie dies im Griff haben, entscheiden Sie über Ihre Zeit, die Sie anderen widmen, überdenken Sie Ihre Prioritäten über die Feststellung Ihrer Bedürfnisse und Ziele im Leben4 und treffen Sie daraufhin Ihre wichtigen Entscheidungen!


1Siehe näher im Abschnitt "Leistung".
2Vergleiche Reinhard K. Sprenger: Die Entscheidung liegt bei Dir, 1999
3Siehe auch bei Reinhard K. Sprenger, a.a.O.
4Siehe hierzu auch S. 69 ff.
 
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